MEIN LEBEN MIT GLADYS

In Gedenken an meine einzigartige Labrador Hündin Sunds Gladys, von der ich mich am Mittwoch, dem 03. Oktober 2007 nach 14 schönen und gemeinsam gelebten Jahren trennen musste. 1993: Als ich 16 Jahre alt war, wünschte ich mir nichts sehnlicher als einen eigenen Hund. Da in Deutschland die Rasse Labrador Retriever noch sehr unbekannt und wenig verbreitet war, fuhr ich mit meinem Vater nach Dänemark. Mit meinen hart ersparten 1000,- DM Taschengeld im Gepäck ging die Reise los. (Gladys: rechts vorne)

Am 18.08.1993 wurde Gladys in Dänemark bei der Familie Sunds geboren. Als Gladys 8 Wochen alt war trafen sich unsere Wege.

Auf der Heimfahrt strahlte ich von Dänemark bis Münchwald über das ganze Gesicht!! Gladys auf dem Schoß und stolz wie Bolle. Mein eigener Hund! Für den nur ich verantwortlich war. Und so süß war sie.

Zu dieser Zeit war ich noch in den Abiturvorbereitungen und wohnte somit von Montag bis Freitag in Alzey im Internat.
Dadurch beschränkte sich unsere gemeinsam verbrachte Zeit auf das Wochenende. Die Hausaufgaben erledigte ich schon im Auto, denn jetzt zählte nur eins für mich: meine Gladys. Diese kostbaren Stunden des Wochenendes genossen wir zwei und waren unzertrennlich. Im Wald über Stock und Stein, durch den Bach, den Berg hinauf und wieder runter. Wir übten fleißig „Sitz“ und „Platz“, das Gehen an der Leine und Alles, was ein vernünftiger Hund können muss. Als Gladys 14 Wochen alt war dachte ich, dass sie unbedingt die Zivilisation kennen lernen müsse. Also fuhren wir nach Bad Kreuznach, in die große Stadt.

Im Auto fahren lernen, Straßenlärm, fremde Personen, Gerüche und Geräusche, die Fußgängerzone, all das Neue strömte auf sie ein. Aber kein Problem. Absolut wesensfest war sie.
Nur unser kurzer Abstecher in das Kaufhaus C&A beeindruckte sie ein wenig. Nichts ahnend liefen wir um die Kleiderständer, da sprang Gladys mit einem riesigen Schreck zurück. Da stand ein Hund, der sah genauso aus wie sie und bewegte sich auch so. Wer war das, wo kam der jetzt her?? Ihr Spiegelbild war es. Wie habe ich gelacht. Nach dem Schreck ließ sie mitten im Kaufhaus eine kleine Pfütze entstehen. Mit hochrotem Kopf stand ich da! Nach dieser Erfahrung kaufte ich mir erst mal eine Pizza. Diesen zwei süßen Kulleraugen konnte ich nicht widerstehen. Als mich ein Passant ansprach, ich solle doch endlich diesem armen, kleinen Hund mal ein Stück abgeben, da dachte ich: „Genau, Recht hat er!“ Ich wurde zwar nicht satt, dafür aber Gladys. Als sie dann auf meinen Füßen liegend einschlief dachte ich: „So, jetzt ist es Zeit nach Haus zu gehen“ und trug sie durch die Fußgängerzone auf meinen Armen zum Auto zurück. Was für ein Tag.

Heute weiß ich: zu früh, zu viel, zu lange und Pizza gibt es für Hunde schon mal gar nicht!!!

Damals begann ich in der Hundeschule meiner Mutter die ersten Kursstunden zu halten und Gladys, ja, die war immer an meiner Seite.

Von Gladys lernte ich sehr viel. Zum Beispiel, dass man seinem Hund nicht erst eine 30,-DM teure Wurmkur verabreicht und dann nach Mainz in die Innenstadt zum Einkaufen fährt. Denn sonst kann es passieren, dass die Tabletten mitsamt dem Hundefutter in der Fußgängerzone liegen und man wieder einmal mit hochrotem Kopf von den Passanten angepöbelt wird, welch eine „Sauerei“ das sei, während man versucht die Spuren zu beseitigen. Als Junghund war Gladys ein richtiger Wildfang!
Vor allem im Doppelpack mit ihrer Schwester Gitte.

Deren beider Lieblingshobby war es aus dem Stand über das 1m hohe Geländer unseres Hauses zu springen, den Kopf in den Futtereimer unserer Ziegen zu stecken, sich die Backen mit Karotten und Kartoffelschalen voll zu stopfen und bevor ich die Türklinke runter drücken konnte, um das Geschen zu unterbrechen, wieder über den Zaun zu verschwinden. Ein nettes Spiel!

Eines Abends bereitete sich meine Mutter genüsslich eine Schüssel mit Quark und frischen Kräutern, aus dem eigenen Garten, zu. Nach minutenlanger Vorbereitung stellte sie die Schüssel auf den Wohnzimmertisch und war im Begriff sich hinzusetzten, als Gladys hinter ihrem Rücken auf das Sofa sprang und noch bevor meine Mutter den Löffel in die Hand nehmen konnte, hing Gladys kopfüber im Quark.
Vor Lachen fiel ich fast vom Sofa und Gladys war wieder einmal satt.

1995: Sie war 18 Monate alt und die Hüftgelenksüberprüfung stand an. Ein großer Tag, denn ich wollte von diesem tollen Hund Nachwuchs haben. Ich war sehr aufgeregt. Die Narkose und die Bewertung, hoffentlich geht alles gut. Das Ergebnis A1 (besser geht’s nicht!!!)

Unsere erste gemeinsame Ausstellung im Kapsweyer / Pfalz verließen wir mit der Bewertung VI (besser geht’s nicht).
Ich : wieder Stolz wie Bolle.

Gemeinsam lernten wir viel. Zum Beispiel: wie man durch die Begleithundeprüfung fällt. Als Gladys 2 Jahre alt war, ich hatte gerade meinen Führerschein bestanden, fuhren wir, nach monatelanger selbstständiger Vorbereitung, zur Begeleithundeprüfung nach Landau. Da sie läufig war mussten wir als letztes Team starten. Gemeldet waren ein Dobermann, ein Rottweiler, ein Schnauzer, ein Dobermann, ein Rottweiler und ein Schnauzer….und wir zwei.

Erfahrene Tunierhundesportler führten in Perfektion ihre Hunde vor. Mit schnellen Schritten und Elan ging es zur Sache. Und zack und hin und her, sportlich, elegant. Eine Schau!! Ich traute meinen Augen nicht.

Mein Mut und meine Motivation sanken gen NULL, also quasi unter NULL! Und dann kamen wir dran.
„So Gladys, dann mal Fuss, los Gladys Fuuuss, komm schon Fuuuuuuss…..“ So ca. 3 m nach mir kam sie ins Ziel.
Von allen Anwesenden beschmunzelt, mit Tränen in den Augen, einer nicht bestanden BH-Prüfung, erahnte ich, dass sich eventuell meine Stimmung und meine innere Unruhe auf meinen Hund übertragen hatte ???!! Wieder was fürs Leben gelernt.
Ein Jahr später, gleicher Ort, gleiche Stelle: Prüfung bestanden!!!!
Geschafft, wie waren wir zwei stolz!

1996: Als Gladys erwachsen war sollte sie mit Cäsar, unserem TOP-Zuchtrüden, Nachwuchs bekommen.

Am Tag der Abfahrt zu meiner Schulabschlussfahrt nach Budapest wurde Gladys das erste Mal gedeckt. Ich war so aufgeregt und nervös. Was da wohl raus kommt ? Meine Mutter bekam den Auftrag die weiteren Deckakte zu betreuen. Doch da gab es ein Problem: Gladys wollte nicht mehr!
Weil ich in Budapest war streikte sie, setzte sich auf ihren Hintern und ließ die Woche vergehen. Meine Mutter war kurz vor dem Verzweifeln und berichtete mir jeden Abend, dass es wieder nicht geklappt hätte. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, aber umso überraschter war ich als sie 6 super süße Welpen zur Welt brachte.

Wir waren beide stolz wie Bolle!!

Gladys war eine wirklich gute Mutter. Gradlinig, erzieherisch, aber dennoch liebevoll und einfühlsam.

In Wirklichkeit aber schwärmte Gladys nur für einen Rüden. Unserem Abdul, einem stattlichen Golden Retriever. Nur ihm war es erlaubt sie von Kopf bis Fuß zu beschnüffeln, ihr das Stöckchen abzunehmen und mit ihr zu flirten. Alle andern Rüden nahm sie nicht wirklich ernst. Doch leider war Abdul kein Labrador, wodurch diese große Liebe nur auf platonischer Ebene stattfand. Sorry, ihr zwei!

1997 fuhr ich mit drei Freundinnen, meinem 2er Golf und einem Anhänger nach Dänemark in den Urlaub. Als Wachhund leistete Gladys gute Arbeit. Wir mieteten uns ein einsames Holzblockhaus, mitten im Wald. Jede Nacht rannte Gladys laut bellend ins Nachbarzimmer vor das Bett meiner Freundin und knurrte sie an, weil diese im Schlaf redete und unverständliche Töne von sich gab. Wir alle, saßen jedes Mal senkrecht im Bett und starben tausend Tode. Außer unsere Freundin, diese schlief selig weiter. An dieses Haus hätte sich sowieso kein Fremder herangetraut!!!

1998, Gladys war 5 Jahre alt, kam ich auf die Idee, weil Gladys ein richtiger Retriever war, müsse sie die Jagdeignungsprüfung ablegen.
Gesagt, getan: mit Bravur bestanden!!

Eines Sonntags, wir waren zur Hasenjagd in Rheinhessen eingeladen, saßen wir in einem Traktorenanhänger. Die Flinte in der Hand, den Hund zwischen den Beinen sitzend, 6 Männer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren, einige Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar und Weimaraner und wir zwei!! „Stöbern“ war die genannte Aufgabe. Dies bedeutet, der Hund arbeitet unter der Flinte, also 30 m im Umkreis des Jägers. Gut, die Weimaraner und die anderen Chaoten waren dann auch schon so ca. 200 m weit weg, nur ein Hund nicht: meine Gladys! Sie stöbert mal links, mal rechts, immer in meiner Nähe, ganz wie gewünscht. Ganz gemütlich, denn schließlich war ja Sonntag, also nur kein Stress. Einfach nur Sahne. Auf der Heimfahrt sprach mich ein älterer Jäger an und meinte, so ein harmonisch arbeitendes Team hätte er noch nie gesehen. 1999 erlebten wir einen schönen Urlaub mit meinem damaligen Freund, in einem Wohnmobil in Frankreich.
Gladys stand vor dem großen Meer mit dem vielen Wasser!
Sie erkannte aber erst nach einer reichlichen Kostprobe, dass dieses Wasser Salzwasser war. Welch eine „Begeisterung“ in ihrem Gesicht!
Im gleichen Urlaub lernte sie Kanu fahren. Voller Stolz saß sie vorne im Boot und schaute den Enten beim Schwimmen zu. Sie war sehr verwundert, dass die Enten nun an ihr vorbeischwammen anstatt wegzufliegen. Lag wohl daran, dass es französische Enten waren.
Auf der Heimfahrt mussten wir im Stunden-Takt anhalten, weil Gladys das viele, gesoffene Salzwasser nicht vertrug und leichte Verdauungsprobleme hatte. Diese Fahrt zog sich hin!!!

Selbst in der Mainzer Uni war Gladys mein Begleiter. Zwar unerlaubt, aber unerkannt!! Leise reinschleichen, in die erste Bank rechts abbiegen und „Platz“. So lag sie unbemerkt zu meinen Füssen unter dem Tisch und schlief. Doch als sie anfing laut zu schnarchen, flog alles auf. Wir durften aber bleiben. Zum Ende der Vorlesung, als die Studenten dem Dozenten mit Klopfen auf den Bänken ihren Dank zollten, stand Gladys auf, nahm ihre Leine ins Maul und lief direkt zum Professor hin. Der lachte und sagte: „So einen Zuhörer hatte ich auch noch nicht. Na, du bist aber lieb“. Von diesem Tag an hatten wir einen Freischein für stille Hunde als Zuhörer in der Mainzer Uni.

Eine weitere Jagdepisode trug sich an einem Sonntag im Jahre 2000 zu. Früh morgens, um halb sieben, trafen wir uns wieder in Rheinhessen zur Entenjagd an der Selz (kleiner Bach). Den Hund umgeschnallt, die Flinte in der Hand ging es los, zu einer weiteren Premiere. Wie folgt wurden wir eingewiesen: „Wir gehen in einer Reihe nebeneinander her, auf die Selz zu. Kurz vorher gehen die Enten hoch, dann schießen wir.“
Gut, o.k. Kurz vorher hieß für mich: 5 bis 10 m. Gerechnet hatte ich mit 10 Enten oder so. So gingen wir los.
Noch sehr verschlafen, aber aufgeregt, stiefelten wir durch das hohe und nasse Gras und näherten uns der Selz. Als plötzlich, noch völlig unerwartet, so ca. 50 m vorher mehr als 100 Enten aus dem Bach hochstiegen.
Total überfordert trauten wir unseren Augen nicht.
Ich hielt die Flinte links, dann rechts oder doch lieber links oder doch wieder rechts. Gladys stand nur da und bewegte sich keinen Meter. Alle Enten weg, Jagd vorbei und Halali. Ende, aus. Ergebnis: gleich NULL. Die Enten folgen von dannen!
Seit dem übten wir das Apportieren mit Dummies, denn ein Hund braucht immer Erfolg!!

Ich muss zugeben, wirklich gute Jäger wurden wir zwei nie, wir gaben dann dieses Hobby auf und suchten uns ein Neues. Wir ließen uns zum Therapiehundeteam für Menschen ausbilden!!

Im Jahre 2002 begleitete mich meine Oma und natürlich Gladys in die Schweiz, zu meiner damaligen Ausbildung als Kynopädagogin.
Wir drei, im Wohnwagen schlafend, verbrachten eine wirklich schöne Woche auf dem Campingplatz. Meine Oma war für das Kochen und für Gladys zuständig. Denn in dieser Woche war für mich nur Theorieunterricht angesagt.
Da meine Oma eine wanderbegeisterte Frau ist, Gladys aber zu den eher gemütlichen Hunden zählte, ergab sich ein Konflikt.
Am ersten Tag wanderte meine Oma stundenlang, mit Gladys an der langen Leine, durch die schweizer Landschaft.
Als Gladys diese Tortur wieder auf sich zukommen sah, beschloss sie zu streiken. Sie ging mit meiner Oma bis zur Campingplatzgrenze, setzte sich hin und ging keinen Meter mehr. Meine Oma konnte zerren, ziehen, locken, aber auch alles versuchen: keine Chance. Nur der Rückweg zum Wohnwagen blieb noch. Oma sauer, Hund zufrieden! Ich musste nur schmunzeln. Meine Gladys, typisch!

2003, die Therapiehundeausbildung in Wien, ein Kapitel für sich!
Wir kamen mit unserer Gruppe, also 6 Personen und 9 Hunden, alle zusammen in einem Kleinbus fahrend, in Wien an.
Ich hatte meine 4 Hunde, Gladys, Timberly, Tosca und Vita mit dabei.

Vita, unser Nesthäkchen, war erst 6 Monate alt und noch nie soweit von zu Haus weg gewesen, als sie ihre erste Begegnung mit einem Hund der Rasse Briard hatte. Ein riesiger Hund mit ganz viel Fell, ohne Augen und Gesicht, weil dieses von den vielen Haaren bedeckt war, stürzte auf Vita zu. Schreiend lief sie davon und suchte das Weite. Gladys, mit ihrem Mutterinstinkt, rannte todesmutig dem großen Briard in die Quere und beschützte ihre kleine Vita. Sie maßregelte ihn ordentlich und war im Nachhinein als aggressiver Hund verschrien. Mein Kommentar: „ Wenn hier ein Hund Sozialverhalten hat, dann ist es Gladys!!“ Und siehe da, am Ende der Ausbildung stellte sich Gladys als der souveränste und am Besten sozialisierte Hund heraus und der Briard wurde wegen seines dominanten Verhaltens von der weiteren Ausbildung ausgeschlossen. Wieder was gelernt! Vertraue Deinem Hund!!!

Zur Therapiehundeprüfung waren nur Gladys und Timberly angemeldet, weil ich mich für 2 Hunde entscheiden musste. Anfangs wurde ich für meine Ausbildungsmethode, die nicht nur auf Futter basiert, kritisiert. Doch wieder stellte sich bei der Prüfung heraus, dass alle von unserer Gruppe gemeldeten Hunde die Prüfung einwandfrei bestanden, die anderen Hunde aber nicht. Denn wir arbeiteten mit Vertrauen, Bindung, Harmonie und gesunder Dominanz. Die Prüferin sagte zu mir: „ Ich glaube, Gladys ist so ein Hund, den man nur alle 20 Jahre bekommt“. Ich stimme ihr zu, heute mehr denn je.

Auf einem anderen Seminar war Gladys der Blickfang für alle, weil sie einem „verwaisten“ Welpen ihre weiche Seite zum Kuscheln anbot. Nur süß, obwohl der Kleine ganz schön nervend war, was man an Gladys Sorgenfalten im Gesicht sehen konnte.

Und dann geht auch der beste Hund einmal in Rente.
Ruhestand hieß in diesem Fall: länger schlafen, lauter schnarchen, mehr fressen, langsamer gehen, Dinge vergessen, Kommandos nicht hören wollen oder können, nicht mehr alleine sein wollen. Bellen, wenn man es muss. Aus Trotz dann vor der Haustüre sein Geschäft erledigen. Mülleimer entleeren, den Inhalt säubern, im ganzen Haus zerstreuen und dann auf dem Kissen sortiert liegen lassen. Mir mein Brötchen aus dem Rucksack klauen und auffressen. Typisch war für sie, nicht zu wissen was sie wollte: sie schmollte, wenn sie nicht mit mir zur Hundeschule gehen durfte, sie schmollte, wenn sie mitgehen musste. Also quasi immer! Aufmerksamkeit fordern und nach Leckerchen bei den Kunden betteln waren ihre neuen Hobbies.

Im Klartext zeigte Gladys wieder viele Verhaltensweisen, die ich schon aus ihrer Welpenzeit kannte. Nicht zu vergessen der nervenaufreibende Altersstarrsinn. Kein Witz, diesen besitzen auch alte Hunde. Das wusste ich vorher auch noch nicht.

Die größte Umstellung für mich war zu erkennen, dass sie nichts mehr hörte. Im Alter von 12 Jahren wurde sie allmählich taub. Wir kommunizierten von dort an über Blickkontakt und Zeichensprache. Wenn sie Lust hatte, schaute sie auch mal zu mir, um meine Handzeichen zu sehen. Wenn nicht hatte ich Pech und sie ihre Ruhe. Das alte Schlitzohr!

Sie war für jeden Spaß zu haben!

Und was ist noch so typisch für die Rentenzeit? Kaffeefahrten und Urlaubsreisen, zum Beispiel nach St. Peter Ording an den Strand.

nach Holland, an den Damm, zu den Schafen

in ein Wellnesshotel nach Bad Griesbach usw.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Rente bedeutet auch, nur bei schönem Wetter und großem mentalen Abstand mit ins Hundetraining zu gehen, um den Anderen beim Training zuzuschauen und bei Langeweile einzuschlafen. Mit dem Gesichtsausdruck „Wenn wir wieder nach Hause gehen, dann weckt mich bitte!“

In ihrem Leben hat Gladys viel gelernt, die Rente war wohl verdient! Die vielen Futterstücken von den Kunden für „schön gucken“ und „am Seckel ziehen“ auch!! Ich weiß alles!!

Gladys, ich danke Dir:

Für Alles, was ich mit Dir, von Dir und durch Dich lernen durfte.

Für Dein Verständnis für mich, während meiner Pubertät, meinen Beziehungskrisen und all meinen schwierigen Lebensphasen.

Für Dein wohlwollendes Verhalten mir gegenüber, wenn ich Erziehungsmethoden anwandte, die dann doch keinen Erfolg brachten und Du das wohl vorher schon wusstest.

Für alle chaotischen und nervigen Junghunde, die Du erdulden musstest.

Für die vielen tollen Welpen, die Du zur Welt gebracht hast.

Für Timberly und Vita.

Für die vielen schönen Jahre mit Dir.

Du wirst immer einen tiefen und festen Platz in meinem Herzen haben.

Schon mehrfach wurde ich gefragt, ob ich mir wieder einen dritten Hund zulegen, oder ob ich einen Welpen behalten werde. Nein, denn Gladys ist durch keinen andern Hund zu ersetzen.

Zum Abschluss möchte ich noch Eines zum Ausdruck bringen:

Mir ist bewusst, dass Gladys NUR ein Hund war.
Ich bin kein fanatischer Hundeliebhaber, nur im Inneren sehr traurig, einen solch treuen und loyalen Wegesgefährten verloren zu haben!

Seit ein paar Tagen hat folgendes Wort für mich eine neue Bedeutung:

Bindung heißt, jemanden so zu vermissen!

Vor ein paar Jahren bekam ich von einer guten Freundin ein Gedicht geschenkt, welches damals erst eine geringe Bedeutung besaß, doch heute ist es passender als jemals zuvor.

An meinen Hund

Wer ist bei Dir Tag und Nacht?
Wer ist es, der Deinen Schlaf bewacht?

Wer hört immer Dir nur zu?
Wer begleitet Dich immerzu?

Dankbar kommt sie Dir entgegen,
dankbar schaut sie Dich stets an.
Dankbar, für dieses schöne Leben,
dankbar, dass sie bei Dir sein kann.

Gladys ist dieses Wundewesen-
Ihres Zeichens ist sie Hund.
All die Jahre treu gewesen,
ohne sie läuft es nicht rund.

In Erinnerung an Gladys, 15.10.2007

 

Tel: 0671-20786611